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Gründung

Die Gründung unserer Schützenbruderschaft im Jahre 1623

Kaum eine Gruppierung unserer Gesellschaft kann auf eine so lange Tradition zurückblicken, wie die historischen Schützenbruderschaften, deren urkundliche Erwähnung bereits zu Beginn des 12. Jahrhunderts belegt ist.

Bedingung für die Entstehung des Schützenwesens war der Einsatz der Schusswaffen seit dem 12. Jahrhundert, d.h. zunächst des Bogens und der Armbrust. Diese Waffen waren im Gegensatz zu einer ritterlichen Ausrüstung auch für die Bürger der Städte erschwinglich. Wegen der schwierigen Handhabung der Armbrust und später der Gewehre mussten regelmäßig Schießübungen abgehalten werden. So traf man sich in den wärmeren Jahreszeiten zu gemeinsamen Schießspielen (dem Vogelschießen) verbunden mit geselligen Elementen (den Schützenfesten).

Der Begriff "Schütze" umschreibt also nach mittelalterlichem Sprachgebrauch das "Schießen", allerdings umfasst er auch den Schutzgedanken im Sinne von "beschützen", nämlich die Verteidigung von Land und Bürger in Gefahrenzeiten. Vielfach waren rein politische Interessen der Landesherren für die Gründung von Schützenbruderschaften ausschlaggebend. Der Kölner Erzbischof Ruprecht erließ im Jahr 1475 eine Verfügung, dass in jedem Kirchspiel im ganzen Erzstift Köln eine Bruderschaft zu gründen sei. Man kann davon ausgehen, dass diese Anordnung verstärkt in die Tat umgesetzt wurde.

Die Blütezeit des Schützenwesens fällt in das 15. und 16. Jahrhundert. Es gewann in den Städten sehr schnell großen Einfluss, so dass sich auch das Patriziat diesen Organisationen anschloss. Mit der Reformation verlor sich vielfach die enge Bindung an die Kirche, jedoch das Bruderschaftsleben ging weiter, wie die Schützen sich auch noch an Schutz- und Ehrengeleiten beteiligten.

Die Büsbacher Schützengesellschaft sollte ebenfalls um diese Zeit herum gegründet worden sein. Viele Tatsachen sprechen dafür. Allerdings war die Gründung der Bruderschaft eng mit dem Schicksal des Ortes Büsbach verbunden.

Der Ort Büsbach gehörte seit je her zum umliegenden Münsterländchen und somit zur neugegründeten Reichsabtei in Kornelimünster. Daher muss auch die Geschichte Büsbachs für diese Zeit bis zur Auflösung der Reichsabtei im Jahre 1802 eng im Zusammenhang mit der Entwicklung der um 815 gegründeten Reichsabtei in Kornelimünster gesehen werden. Rund 1000 Jahre lang waren sie so eng mit dem Schicksal der Reichsabtei verbunden. Büsbach war seit je her der Hauptort des Münsterländchens. Und so war es nicht verwunderlich, dass Büsbach auch Hauptort der etwa im 16. Jahrhundert entstanden Hunschaft war.

Zu dieser Zeit gliederte sich das Abteigebiet in 5 solcher Hunschaften: Flecker Hunschaft (Kornelimünster), Brand, Breinig, Walheim und Büsbach (mit Dorff und Krauthausen).

Das Wort Hunschaft bedeutete damals so viel wie Gemeinde. Die Hunschaften waren eine Art einfacher Verwaltungs- und Wehrbezirk. Die Aufgaben und Rechte der Hunschaften lagen auf dem Gebiet der Gemeindeverwaltung und Gemeindevertretung und besonders auch der Wehrorganisation und Landesverteidigung. Die Hunschaften selber standen unter dem Kommando je eines Hauptmannes mit Leutnants als Gehilfen. Sie  wurden von Fall zu Fall aufgeboten und unterstanden dabei dem einheitlichen Oberbefehl eines „Landeswachtmeisters“.

Die Hauptleute als Vorsteher der damaligen Hunschaften, waren gleichzeitig Führer und Befehlshaber der jeweiligen Schützen; das Schützenwesen mit seinen Gesellschaften war somit eine Einrichtung der Hunschaften, von denen daher jede eine eigene alte Schützengesellschaft aufzuweisen hatte. Und so entstanden in den vielen einzelnen Orten die Schützenbruderschaften. Die Entstehung der Schützenbruderschaften in Büsbach und den anderen Ortschaften des ehemaligen Münsterländchens steht somit in unmittelbarem Zusammenhang mit der lockeren „Wehrverfassung“ und Verwaltung der Reichsabtei Kornelimünster.

Sie wurden vielfach gefördert durch die jeweiligen Landesherren; und zwar meist in den unsicheren und kriegerischen Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts. Besonders in der schrecklichen Zeit des 30–jährigen Krieges (1618-1648) bildeten oder verstärkten sich zahlreiche ländliche Schützenverbände; so auch in unserer Heimat.

Auf Grund des 30-jährigen Krieges gehen wir davon aus, dass sich auch in unserer Heimat  einige wehrfähige Männer zusammenschlossen, um einen Schützenverbund, die heutige St. Hubertus Schützenbruderschaft, zu gründen, der sich gegen diese Gewalt des Krieges wehren wollte. Diese These belegt allein die Tatsache, dass die St. Hubertus Schützenbruderschaft im Jahre 1623 das erste Mal urkundlich erwähnt wurde.

Wie die überwiegende Zahl der anderen älteren Schützenbruderschaften besitzt auch die Büsbacher Schützenbruderschaft keine Urkunde mehr über das genaue Datum der Gründung. Eine Nachfrage beim heutigen Kloster in Kornelimünster brachte diesbezüglich auch keinen Erfolg. In solchen Fällen dient gewöhnlich das jeweils älteste erhaltene Königsschildchen als Ersatz; so auch in Büsbach. Für das immer wieder angegebene „Gründungsjahr“ 1623 gibt es keine authentischen Zeugnisse mehr, sondern nur noch indirekte Anhaltspunkte.

Folgende Anhaltspunkte können für das Gründungsjahr „1623“ angegeben werden:

 

  1. Nach der mündlichen Überlieferung ist das älteste Königsschild von 1623 etwa in den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts verloren gegangen.
  2. Aus der Tatsache heraus, dass auf den beiden erhaltenen alten Vereinsfahnen von 1882 und 1908 die Gründungsjahreszahl 1623 aufgestickt ist, darf geschlossen werden, dass damals dieses alte Königsschildchen als ältestes Dokument der Bruderschaft noch vorhanden war.
  3. In dem von Wilhelm Ewald verfassten Standardwerk „Die Rheinischen Schützengesellschaften“ (von 1933) wird ebenfalls für Büsbach das Gründungsjahr 1623 angegeben. Die Angaben in diesem Buch beruhen u. a. auf Auskünfte der jeweiligen Vereine. Somit muss also bei den Vorstandsmitgliedern das Königsschild noch in fester Erinnerung gewesen sein.
  4. Das Einwohnerbuch des Landkreises Aachen von 1927 gibt als Gründungsjahr für die Büsbacher St. Hubertus Schützengesellschaft ebenfalls das Jahr 1623 an.

Noch heute besitzt die Schützenbruderschaft Büsbach noch als ältestes erhaltenes Königsschild das Königsschild von 1655; auch dieses Schild ist immerhin noch eines der ältesten der gesamten Umgebung.

Die ältesten Schützenbruderschaften überhaupt sind ja bedeutend älter, als unsere erstmalige urkundliche Erwähnung. Infolgedessen kann man auch annehmen, dass in Büsbach ebenfalls schon vor dem überlieferten Gründungsjahr 1623 eine Schützenvereinigung bestanden hat; beweisen kann man es leider nicht.

In einem Aachener Geschichtswerk des 18. Jahrhunderts werden denn auch schon für das Jahr 1598 Münsterländer Schützen erstmals ausdrücklich erwähnt.

Diese erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1623 bedeutet für unsere Schützenbruderschaft aber noch viel mehr. Denn die Büsbacher Schützenbruderschaft kann auf Grund dieser Tatsache nämlich für sich in Anspruch nehmen,

  • der älteste Verein der Stadt Stolberg
  • nicht nur eine der ältesten Bruderschaften der gesamten Umgebung,
  • sondern auch noch die fünft älteste St. Hubertus Schützenbruderschaft im ganzen Bundesgebiet zu sein.

Wahrlich eine stolze Bilanz, auf die die Büsbacher Schützenbruderschaft zurückblicken kann.